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Reisebericht Korsika (2012)

Schuld ist Korsika!

Korsika stand eigentlich schon seit jeher auf meiner „Bucket List“ aber irgendwie hat es nun doch mehr als 30 Jahre gebraucht, bis ich mich zu einem Besuch aufraffen konnte und den imaginären Haken setzen durfte. Für viele meiner Altersgenossen und Späthippies war Korsika damals DIE angesagte Reisedestination, gleich nach Griechenland. Trotzdem habe ich es nie geschafft auf die nahegelegene Insel zu „schiffen“, mir waren längere und ausgedehntere Reisen nach Asien, Afrika oder Australien wichtiger.


Deshalb verlor ich wohl das Mittelmeereiland aus dem Augen und daher ist es nur meiner Copilotin zu verdanken, dass sich die kleine, gebirgige Insel wieder ins Zentrum meiner Vorurlaubsinvestigationen rückte.


Damals noch mit einem Audi S8 Quatro unterwegs, kam schon beim Verladen aus der Fähre Offroad-Feeling auf, streifte die Nobelkutsche doch prompt mit dem Unterboden auf der geknickten Verladerampe und gleich zwei Kilometer später noch bei der Auffahrt auf einen ungewöhnlich gut gewachsenen, korsischen Randstein.


Im Verlauf unserer Tour de Corse liessen wir es uns trotz Niederquerschnittsreifen und Sportfahrwerk nicht nehmen, einige der abgelegeneren Genueser Türme zu besuchen, was uns dann unweigerlich Schotter bescherte. Der geneigte Leser weiss, worauf ich hinaus will, der Gedanke dereinst wieder geländegängiger zu werden war erneut auf dem Tisch! Die zahlreichen Landys mit einheimischen Kennzeichen, denen man auf der Insel begegnet, der eine mehr als der andere „aufgepimpt“, machen einem die 4×4 Enthaltsamkeit ohnehin nicht einfacher und so habe ich nach getaner Reise, noch auf der Rückreise in die Schweiz, all die Vorzüge einer höhergelegten, offroad-tauglichen Karosse der geduldigsten aller Ehefrauen unterbreitet und in blumigster Weise ausgeführt, bis sie schliesslich nicht mehr anders konnte, mir zuliebe ein weiteres Mal in den sauren Apfel biss und so der Anschaffung eines eben solchen Gefährtes zustimmte.

Der zweite Streich folgte sogleich

Im September, übrigens meiner Meinung nach wohl die beste Reisezeit für Korsika, kaum ein Jahr später also, ausgerüstet mit einem funkelnagelneuen Jeep JK Rubicon, befuhren wir die Heimat Bonapartes ein weiteres Mal. Ja und dieses Mal streifte ich nicht an der Verladerampe der Fähre! Im Prinzip umrundeten wir die Insel, teils auf bekannten Pfaden, teils auf Neuland. Hoch hinauf zu den Windmühlen im nördlichsten Zipfel, hinunter in den Süden zum Traumstädtchen Bonifacio, von Ajaccio über die „Haute-Corse“ nach Corte, an seltsam anmutenden, spätsommerschlafenden Skiorten vorbei dem verschlungenen Bahntrasse folgend wieder hinunter nach Bastia.


Was mir an Korsika am besten gefällt, ist die abwechslungsreiche Topographie und die vielfältigen Möglichkeiten, die dieser Umstand birgt. Für jeden Besucher gibt es etwas. Besonders wenn die Familieninteressen zuweilen diametral verlaufen, mit ein bisschen Kompromissbereitschaft gelingt es auf Korsika alles unter einen Hut zu bringen, ohne dass die „unterlegene“ Partei schwer abgestraft würde. Ein paar Tage am Strand, egal ob Sand oder Kiesel, eine ausgedehnte Wanderung im Gebirge, anspruchsvolles Offroad, zahlreiche gute Restaurants, verträumte Dörfer mit einladenden „Chambres d’hôtes“ und viele, viele Sehenswürdigkeiten, egal ob archäologischer, geschichtlicher oder kulturellen Natur.


Die im Sommer von Touries etwas überlaufene Insel zeigt sich im Herbst oder Frühling von der besonders sympathischen Seite. Wer mit der zuweilen etwas schnoddrige Art der Franzosen zurechtkommt, nicht abgeneigt ist, den Argumenten der korsischen Separatisten Gehör zu schenken, ein paar Brocken der französischen (oder italienischen) Zunge mächtig ist, der fühlt sich als Gast gewiss willkommen. Jedenfalls habe ich diesbezüglich nur positives zu berichten.


Für uns Offroad-Fans gibt es zahlreiche Pisten zu befahren. Speziell zu erwähnen gilt natürlich die berüchtigte „Piste des Seigneurs“ im Südosten der Insel und einige Tracks in der Region der „Désert des Agriates“. Letztere Strecken dürfte jedoch langsam in kommerzielle Hände fallen. Findige Unternehmer haben herausgefunden, dass sich für Touristen ohne eigenes 4×4 Werkzeug, Touren in diese Gegend organisieren lassen und sich regem Zuspruch erfreuen. Vermutlich ist es kein Zufall, dass bereits einige zuvor befahrbare Schotterwege mittlerweile gesperrt wurden, zumindest für uns private… Trotzdem, wer sucht, der findet. Vielerorts gibt es noch Wege ohne Verbotsschilder und wer dort auf Wanderer oder Biker trifft, diesen aber mit dem nötigen Respekt und der gebotenen Vorsicht begegnet, erntet statt bösen Blicken, wie in der eigenen Heimat, in aller Regel ein „Daumen hoch“ und ein breites Lächeln (Es sei denn natürlich, es handelt sich bei den Verärgerten um Landsleute)!


Egal wie man auf Korsika unterwegs sein möchte, wir können die Insel nur wärmstens weiterempfehlen. Sofern es uns vergönnt ist, besuchen wir das kleine Paradies vor unserer Haustüre gerne wieder einmal!