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Reisebericht Marokko (2014)

Geschrieben 17.10.2014 – 08:57 (jeep-forum.de)


Allen mitteleuropäischen Reisewarnungen zum Trotz, haben wir uns aufgemacht, das Königreich der Marokkaner zu bereisen. Vorweg bemerkt: Wir haben es nicht bereut!


Wie schnell man sich im Orient befinden kann wird klar, sobald man die knapp 35-minütige Überfahrt von Tarifa nach Tanger erst hinter sich gelassen hat und das erste Mal mediterran-atlantische mit Gewürzduft geschwängerte Luft schnuppert.


Kaum hat man einer seiner, bis dahin noch vollgepumpten, Reifen auf den afrikanischen Kontinent gerollt, wird man auch schon von den vor Ort wartenden, zahlreich vorhandenen, umtriebigen und hilfsbereiten Jungs in Beschlag genommen und ruckzuck um die zuvor mühsam hervorgekramten Reisedokumente erleichtert, ohne viel Wenn und Aber.


Vorerst reist hier also nur das Papier! Nach einem ausgiebigen Turnus durch zahlreiche Hände, besuchsweise in muffig-kargen Schalterbüros in Stapeln auf Verarbeitung gierend und einige Minuten später, auf höchst verschlungenen Wegen dem verdutzten Besitzer gestempelt und signiert wieder ausgehändigt.


Hier gezielt ins Detail zu gehen würde Bände sprechen und Sachverstand voraussetzen, so verzichte ich lieber eingangs schon darauf, Behörden, Beamte und all die zahlreichen Helfershelfer durch den Kakao oder war das Tee? zu ziehen.


Einige Formulare reicher und einige Euros ärmer (Dirham gibts erst nach der Grenze) verlässt man die scheinbare Geborgenheit des Westens und findet sich im Tumult, der nicht minder sicheren Örtlichkeiten, mit all Ihren geschäftigen Händlern, deren Cousins, Brüder und Anverwandte, Herumlungerer und Guides des nordafrikanischen Landes wieder.


Soyez les bienvenus au Maroc!


Der weitere Verlauf unserer Offroad-Stippvisite führte uns über verschlungene Pisten und ausgedehntem Wellblech öfters auch ins Geröll oder in den Schlamm. Wir zogen vorbei an monumentalen Gebirgskulissen, besonders sehenswerten Städten (Chefchauen, Meknes, Ait ben Haddou), nach Volubilis zu den alten Römern (wo waren die eigentlich nicht?), hinauf und über den noch nicht vollkommen schneebedeckten Atlas, vorbei am kleinen Querulanten Antiatlas (nicht zu verwechseln mit dem Antipasti) und endlich, geschafft aber glücklich, zu den Sandfliegen, Kamelen und KTMs der Sahara.


Je nach Gutdünken, in der zweiten Hälfte der Reise auch dem Ausmass der Diarrhöe Rechnung tragend, wurde gecampt, ge-aubergt und gehotelt. Alles in Allem also eine sehr ausgewogene Sache! Nur würde ich das nächste Mal mehr als nur zwei Wochen veranschlagen; aber was soll ich mich hier nun auch noch über das Schweizer Schulsystem und deren Ferienkontingente auslassen


Auch Essen ist Reisen, was ja hinlänglich bekannt ist. Marokko hat hier bestimmt mehr zu bieten als nur Tajine mit Huhn und Tajine mit Huhn, denn auch Spiesse mit Huhn oder aber Huhn ohne Spiesse werden sehr gerne gegessen. Ich weiss, gewiss tue ich den kulinarischen Gegebenheiten unrecht, irgendwie hatten wir immer eine etwas eingeschränkte Auswahl indigener Spezialitäten vorliegen. Die eigene Küche war, abgesehen von dem mir zweimal erschienenen Chilli con Carne aus der Dose, auch kein lukullischer Höhepunkt, doch immerhin kam nach dem islamischen Opferfest (Da springen die Lämmer nicht nur beim Einschlafen reihenweise über die Klinge) etwas anderes auf den besagten Spiess und die verschiedenen Früchte, selbst als Früchteverweigerer muss ich es eingestehen, waren ganz passabel. Tipp: Wenn man sie vor dem Verzehr wäscht oder schält, sieht man sie in der Regel nur einmal.


Der geneigte Leser erkennt, dem Sniff, seiner Crew und den österreichischen Mitschaufler hat der Trip besonders gut gefallen. Sofern es die IS zulässt, werden wir nicht das letzte Mal marokkanischen Boden gepflügt haben. Die Berberkinder wird das freuen uns aber auch!


Ein etwas fahler Abgang hatte dann die Heimreise an der halbwegs zubetonierten, öden Westküste entlang, nicht zuletzt auch, weil mein Dicker (übrigens der einzig Übergewichtige in unserer Familie) wieder mit der Verarbeitung der Bits und Bytes seine liebe Mühe zeigte. Dank gutem Zureden, Stossgebeten und viel OBD-II-Magie haben wir unsere Rückreise doch noch bis aufs europäische Festland geschafft. Auf der Höhe von Granada hat er dann aber endgültig alle Viere von sich gestreckt und ist ein weiteres Mal zuckend liegengeblieben (Piemont lässt grüssen). Aber das ist eine ganz andere Geschichte!