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Reisebericht Sardinien (2015)

Geschrieben 13.10.2015 – 16:06 (jeep-forum.de)


Ein bisschen skeptisch war ich schon, als ich mich entschieden habe mit Kind und Kegel nach Sardinien zu fahren. Bin ich doch ein bekennender Korsika-Fan und schon bei der Hafenrundfahrt in Bonifacio wurde eindringlich davon abgeraten die entlegenen Sarden am Horizont zu besuchen, da Korsika ja die viel schönere Insel sei. Und ausserdem spreche man dort ja kein Französisch und die Frauen vor Ort wären eh viel hübscher. Soweit die Aussagen des Schiffs-Conferenciers seines Zeichens Steuermann und Kapitän. Da das Tüürchen nach Albanien für dieses Jahr aus aktuellem Anlass gestrichen wurde, blieben wenig unbekannte Alternativen und so kam es, dass Familie Sniff Sardinien gebucht hat und nun ein weiterer gelber Kleber die Heckscheibe unseres Dicken ziert.


Sardinien reloaded deshalb, weil sich im Forum bereits ein gelisteter (von mir bis dato absichtlich noch ungelesener) Reisebericht befindet und ich möglichst unvoreingenommen meinen Senf beitragen möchte. Bin dann mal gespannt auf die Deckungs(un)gleichheiten!


Voreingenommen wie eingangs erwähnt, waren wir gespannt, was uns bei den Sarden nebst Pane Frattau, pickelhartem Pecorino und fettigem Ferkel vom Spiess sonst noch erwarten würde. Natürlich vor allem hinsichtlich der Sch(l)otterstrassen welche ich mittels Wikiloc und MDMOT abgekupfert und mit viel Phantasie zusammengestellt habe. Die Bordcheckliste meiner Copilotin sah zudem auch noch vor, etwas Zeit für ein Bad im Meer im Osten sowie im Westen zu reservieren und auch ein paar altertümliche Steinhaufen näher zu besichtigen – und freilich, da kommt man im Sardinien tatsächlich auf die Kosten!


Im Detail will ich Euch nun nicht mit meinem penibel geführten Tagebuch langweilen, aber es wurden alle Vorgaben erfüllt! Besonders ergiebig erwiesen sich die Routen von MDMOT auch wenn überall hinter dem Jeep-Symbol ein Fragezeichen platziert wurde. Klar, besonders in küstennahen Regionen gleicht die Reise eher einer Waschstrasse mit Schmirgeltuch, die Vegetation ist einfach zu üppig, jedoch durchaus machbar mit etwas gutem Willen und Oropax gegen die Knirschgeräusche.


Besonders herausfordernd waren bis auf eine wirklich happige Strecke, welche wir ad hoc abenteuerlich und persönlich ergänzt haben, keiner der Tracks. Die meisten waren leicht rumpelig, oft verwaschen, garniert mit fussballgrossen, wegelagernden Steinen und mit einigen Furten – alle nicht wirklich isländisch. Zwei, drei steile Anstiege, minimale Sandpassagen und im Wege stehende Fahrzeuge der Förster rundeten unser Offroad-Bedürfnis einigermassen sauber ab.


Die verlassenen auf dem Landweg per 4×4 erreichbaren Strände blieben uns leider verborgen aber diese liessen sich mit Hilfe der Eingeborenen bestimmt auch noch finden. Ansonsten geht es an den zahlreichen, für jedermann zugänglichen spiagge ruhig und kultiviert zu und her und man freut sich riesig, nicht in der touristenreichen Saison angefahren zu sein. Ausser natürlich die ewigen Schweizer, die man in dieser Jahreszeit nicht nur beim Bade vorfindet. Zum Mäusemelken!


Für einmal, blieben ernsthafte Fahrzeugpannen aus, das kurz piepende Hotoil auf dem Display liess uns zuerst zwar nicht ganz so cool aber nach einer Handbuch-Konsultation war dann klar, dass wir uns vorerst keine Sorgen zu machen brauchten, zumal der steile Pass bereits erklommen war. Also durften hervorgekramte Notraketen, Zeltgestänge, Schlafsäcke und Zündhölzer wieder im Fonds verstaut werden.


Resümierend möchte ich noch erwähnen, dass die zahlreichen Agritourismos nicht in jedem Fall günstiger sind als gute geführte Hotels mit mehr Komfort und deutlich vielfältiger kulinarischer Auswahl (30 EURO pro Kopf mit Frühstück ist in der Nachsaison die Regel). Bungalows bzw. Mobil-Homes in Campingplätzen sind oft nur unwesentlich teurer (40-80 EURO) als Zeltstellplätze für Auto, Zelt und 4 Personen, dafür aber bestückt mit Küche, sauberen Laken, Moskitonetz und Kühlschrank für den feinen Cannonau!


Vergleiche ich Korsika mit Sardinien – und das ist jetzt meine ganz persönliche Meinung – so finde ich, dass Sardinien bedeutend schmutziger ist als Korsika. Der Abfall wird vielerorts rücksichtslos in den Strassengraben gekippt und viele Bauruinen und selbst gebastelte Wohnhäuser prägen vielerorts ein Bild das nicht mit den schmucken und urtümlichen Dörfern von Korsika zu vergleichen ist.


Was sich die Korsen jedoch unbedingt von den Sarden abgucken könnten wäre die ausgesprochene Freundlichkeit, die lebensfrohe Manier und das zuvorkommende Verhalten trotz Sprachbarrieren!


Mit Ausnahme von ein zwei noch nicht ganz zerfallenen Nuraghen, einem eindrücklichen, ehemals durchfahrbaren, natürlichen Tropfsteinhöhlen-Tunnel, den verlassenen Minendörfern und natürlich dem Dorf Tiscali gibts meiner Meinung nach kulturhistorisch nicht allzu viel zu sehen, was nicht schon auf dem italienischen Festland oder anderswo gesehen wurde. Aber natürlich sind wir weder praktizierende Archäologen, Höhlenforscher noch Historiker und die 13 Tage welche wir zur Verfügung hatten waren definitiv zu knapp um ein abschliessendes Bild zu erhalten.


Was ich aus Sardinien an guten Eindrücken mitgenommen habe, ist das mannigfaltige Blau des Meeres, die bizarren Felsformationen im Norden, der fast menschenleeren gebirgigen Osten der Insel und die allgemein fehlenden Verbotsschilder an den für uns interessanten Einstiegspunkten! Sardinien ist also allemal eine Offroad-Reise wert!